Die Freiheit führt das Volk

Mit knapp acht Millionen Besuchern ist der Louvre in Paris das meist besuchte Museum der Welt. Die Vielfalt und Masse seiner Werke ist für den Laien kaum noch zu überschauen. Dennoch gibt es einige Werke, die aus einer großen Zahl herausstechen und wohl zu den Aushängeschildern des Louvre gehören. Auch das Bild „Die Freiheit führt das Volk" von Eugène Delacroix ist zu nennen.

Im Gegensatz zu den tausenden Werken, die von allen Orten der Welt in den Louvre getragen wurden ist dieses Delacroix Bild sehr eng mit der Geschichte von Paris verbunden. „Die Freiheit führt das Volk" ist wohl auch das bekannteste Werk dieses Malers, der fast sein gesamtes Leben an der Seine zubrachte und dessen persönliche Geschichte sehr eng mit der Französischen Revolution verbunden ist, obwohl Ferdinand Victor Eugène Delacroix erst 1798, also ganze neun Jahre nach dem berühmten Sturm auf die Bastille das Licht der Welt erblickte. Sein Vater Charles-François Delacroix war sogar ein Mitglied der Revolutionsregierung und bis ein Jahr vor Eugènes Geburt Außenminister. Es gibt sogar Gerüchte, denen zufolge Eugène Delacroix eigentlich der Sohn von Charles Maurice de Talleyrand gewesen sein soll, der ebenfalls ein hochdekorierter Politiker und Held des Volkes war. Das Delacroix später einer der bekanntesten Maler der französischen Geschichte werden sollte ist daher vielleicht nicht unbedingt verwunderlich. An Talent mangelte es dem Romantiker nicht.

Mit seinem Bild „Die Freiheit führt das Volk" schuf Delacroix 1830 eines der meist benutzen Motive für Geschichtsbücher. Auf 2,60 x 3,25 Meter ist das Original im Louvre fast lebensgroß. Fast ebenso verhält es sich mit den darrgestellten Figuren. Hintergrund des Bildes ist die Julirevolution, welche sich 1830 in Paris abspielte. Der damalige Herrscher Karl X. wollte die Zustände aus der Zeit vor der Französischen Revolution von 1789 wiederbeleben. Die Vorherrschaft des Adels und die Klassenherrschaft sollten in Frankreich wieder eingeführt werden. Nach dem sich die Abgeordnetenkammer im Juli 1830 sehr zum Nachteil der einfachen Bürger zusammengesetzt hatte und der Presse eine Zensur auferlegt wurde, reichte es dem Volk. Aufstände waren die Folge. Aus der Julirevolution stammt auch der Ausruf „Auf die Barrikaden gehen", da man tatsächlich knapp 6000 Barrikaden in Paris anhäufte, auf welche man stieg, wenn man zum Angriff lief. In dem dreitägigen, sehr blutigen Aufstand wurde der König gestützt und ein liberaler Bürgerkönig eingesetzt.

Die blutigen Auswirkungen der Aufstände zeigt Delacroix vorne in der Bildansicht, wo sich die Leichen stapeln. Zudem herrscht ein Nebel über Paris, welcher wohl den Pulverrauch der Kanonen und Gewehre zeugt. Im Hintergrund rechts erkennt man die Pariser Mutterkirche Notre Dame. Die Anführerin des Aufstandes steigt in diesem Augenblick „auf die Barrikaden". Sie ist zudem barbusig und trägt keine Schuhe. Vieles weist darauf hin, dass Delacroix auf eine griechische Göttin anspielt. Auch Ähnlichkeiten mit „ der Geburt der Venus" von Botticelli ist nicht von der Hand zu weisen. Die Frau symbolisiert die Freiheit und treibt das Volk nicht zuletzt mit ihrem auffordernden Blick dazu auf, ihr zu folgen. In der Hand trägt sie die damals verbotene Tricolore. Auffällig ist auch der Man mit dem Zylinder, der neben der Freiheit steht. Hierbei handelt es sich nicht um Abraham Lincoln, wie viele Urlauber im Louvre immer wieder vermuten, sondern um den Maler Delacroix selbst, der sich so nachträglich in die berühmten Aufstände „einmalte" obwohl er selbst niemals teilgenommen hatte.

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